Pilzkrankheiten im Rasen erkennen und ohne Chemie behandeln
Braune Flecken, Ringe oder Pilzbeläge können auf eine Pilzkrankheit hinweisen. Das Schadbild allein reicht aber meist nicht für eine sichere Diagnose. Trockenheit, Staunässe, Dünger, Mähschäden und Tiere können ähnlich aussehen.
Auf dieser Seite
- Der Schnellcheck: in fünf Minuten Hinweise sammeln
- Häufige Schadbilder genauer einordnen
- Was Pilzbefall begünstigen kann
- Was du jetzt tun kannst
- Wann du warten oder Fachhilfe holen solltest
- Ähnliche Schäden ausschließen
- Passende Produkte – nur nach Befund
- Vorbeugung ohne starren Kalender
- Häufige Fehler
- Rechtliches (DACH)
- Quellen
Der Gründoktor stellt dir ein paar kurze Fragen und sagt dir, welches Problem du hast und was zu tun ist – kostenlos, ohne Anmeldung.
🌱 Rasen-Check startenDie kurze Antwort: Prüfe zuerst Muster, Halme, Bodenfeuchte, Witterung und Pflegegeschichte. Verbessere dann nur die Bedingungen, die tatsächlich auffällig sind. Fungizide sind im Hausgarten normalerweise keine sinnvolle Standardlösung. Ob ein Mittel aktuell für Rasen, den vermuteten Erreger und nichtberufliche Anwender zugelassen ist, musst du vor jeder Anwendung im amtlichen Verzeichnis prüfen.
Der Schnellcheck: in fünf Minuten Hinweise sammeln
Prüfe die Fläche möglichst morgens, wenn noch Tau liegt. Pilzgeflecht ist dann oft besser zu sehen.
- Muster ansehen: Sind die Stellen rund, ringförmig, flächig oder in Mäh- und Streubahnen verteilt?
- Halme prüfen: Siehst du Beläge, Fäden, Pusteln oder klar begrenzte Flecken auf einzelnen Blättern?
- Wischtest machen: Färbt orangefarbener Staub an einem weißen Tuch ab? Lässt sich ein Belag einfach abwischen?
- Boden prüfen: Ist er in 5–10 cm Tiefe trocken, normal feucht oder nass und verdichtet? Liegt eine schwammige Filzschicht zwischen Halmen und Boden?
- Vorgeschichte notieren: Wann wurde gemäht, gewässert und gedüngt? Gab es lange Blattnässe, Hitze, Schnee oder liegendes Laub?
- Verlauf dokumentieren: Fotografiere dieselbe Stelle aus gleicher Höhe. Markiere den Rand und vergleiche ihn nach einigen Tagen.
Diese Beobachtungen grenzen die Ursache ein. Sie ersetzen keine Untersuchung vor Ort oder im Labor.
Beobachtung → mögliche Einordnung → nächster Schritt
| Was du siehst | Was dahinterstecken kann | Was du prüfen oder tun kannst | Grenze |
|---|---|---|---|
| Geschlossener Kreis oder Bogen, teils mit dunklerem Gras oder Hutpilzen | Hexenring | Verlauf markieren, Bodenfeuchte im Ring prüfen, Fruchtkörper absammeln | Ein Ring beweist weder Pilzart noch Ursache. Düngerstreifen und Urinflecken können ähnlich wirken. |
| Strohgelbe Flecken mit rosa bis roten Fäden an den Halmspitzen | Rotspitzigkeit | Pflege- und Düngegeschichte prüfen; bei anhaltendem Befall fachlich bestimmen lassen | Rote Strukturen sind ein deutlicher Hinweis, aber keine sichere Ferndiagnose. |
| Viele kleine, helle Flecken und abgegrenzte Schäden quer über einzelnen Blättern | Dollarflecken oder andere Blattkrankheit | Morgens auf feines Pilzgeflecht achten; Halme mit Lupe ansehen | Fleckengröße und Wetter allein reichen nicht zur Bestimmung. |
| Nasse, verklebte graubraune Flecken, teils mit weißlich-rosa Rand | Schneeschimmel oder Fäulnis | Fläche abtrocknen lassen, Laub entfernen, nicht betreten | Auch Staunässe und andere Fäulen können so aussehen. Schneeschimmel kann ohne Schnee auftreten. |
| Orangefarbener Staub färbt ab | Rasenrost | Mit weißem Tuch testen; befallenes Schnittgut vorübergehend auffangen | Der Wischtest ist ein starker Hinweis, bestimmt aber nicht die genaue Rostart. |
| Dunkle Flecken auf Blättern, Narbe wird lückig | Blattfleckenkrankheit oder Mähschaden | Einzelhalme und Schnittkanten prüfen; Mähmesser kontrollieren | Ausgefranste Spitzen sprechen eher für stumpfe Messer. Mehrere Ursachen können gleichzeitig vorliegen. |
| Schaumiger oder krustiger Belag lässt sich abwischen; Gras darunter bleibt grün | Schleimpilz | Belag abbürsten oder mit Wasser abspülen | Schleimpilze sind keine echte Rasenkrankheit und meist harmlos. |
| Einzelne Hutpilze nach Regen, Gras bleibt gesund | Abbau organischer Reste im Boden | Bei Bedarf absammeln | Hutpilze allein bedeuten nicht, dass der Rasen krank ist. Unbekannte Pilze nicht essen; Kinder und Tiere fernhalten. |
Häufige Schadbilder genauer einordnen
Hexenringe
Kreise oder Kreisbögen können zu einem Hexenring passen. Dabei wächst ein unterirdisches Pilzgeflecht, das Myzel, nach außen. Möglich sind nur Hutpilze, ein dunkelgrüner Ring oder zusätzlich geschädigtes Gras. Der Durchmesser kann mit der Zeit wachsen.
Der Nelkenschwindling (Marasmius oreades) ist ein möglicher Verursacher, aber nicht der einzige. Organische Reste wie alte Wurzeln oder vergrabenes Holz können Pilze fördern. In stark betroffenen Zonen kann der Boden Wasser schlechter aufnehmen.
Rotspitzigkeit
Strohgelbe bis hellbraune Flecken mit rosa-roten Fäden oder geweihartigen Gebilden an den Halmspitzen passen zu Rotspitzigkeit (Laetisaria fuciformis). Feuchtigkeit macht die Strukturen sichtbarer.
Schwacher Wuchs und eine unausgewogene Nährstoffversorgung können den Befall begünstigen. Daraus folgt aber nicht automatisch ein Stickstoffmangel. Prüfe zuerst Düngung, Wachstum, Boden und Witterung.
Dollarflecken
Kleine, helle Flecken und eingeschnürte, strohfarbene Blattstellen mit dunklerem Rand können zu Dollarflecken passen. Als Erreger kommen Arten der Gattung Clarireedia infrage. Morgens kann feines, spinnwebartiges Myzel über den Flecken liegen.
Auch hier sind Größe, Jahreszeit und Nährstoffversorgung nur Hinweise. Andere Blattkrankheiten, Trockenheit oder chemische Schäden können ähnlich aussehen.
Schneeschimmel
Rosa Schneeschimmel (Microdochium nivale) kann in nasskalten Phasen auftreten – auch ohne geschlossene Schneedecke. Typisch sind runde, ineinanderlaufende, verklebte Flecken mit grauweißem bis rosa Pilzgeflecht.
Die Typhulafäule (Typhula spp.) wird eher nach längerer Schneebedeckung sichtbar. Kleine dunkle Dauerkörper an den Halmen können ein Hinweis sein. Eine sichere Unterscheidung ist für Laien oft schwierig.
Rasenrost
Gelbe bis rostbraune Pusteln, die orangefarbenen Staub abgeben, sprechen für Rasenrost (Puccinia spp.). Der Rasen wirkt dann oft insgesamt gelblich. Der Staub färbt an Schuhen, Kleidung oder einem weißen Tuch ab.
Blattfleckenkrankheiten
Kleine braune, schwarze oder rotbraune Flecken mitten auf dem Blatt können zu Blattfleckenkrankheiten passen. Verschiedene Pilzgattungen kommen infrage, darunter Drechslera, Bipolaris und Curvularia. Bei starkem Verlauf kann die Narbe ausdünnen.
Schleimpilze
Schleimpilze wie Physarum, Mucilago oder Fuligo septica sitzen nur auf der Oberfläche. Der Belag kann gelb, orange, violett oder dunkel sein und lässt sich meist abwischen. Das Blattgewebe darunter bleibt in der Regel gesund. Eine Bekämpfung ist nicht nötig.
Was Pilzbefall begünstigen kann
Pilzsporen und Pilzgeflechte können im Rasen vorhanden sein, ohne sofort Schäden auszulösen. Ob eine Krankheit entsteht, hängt vom Erreger, der Gräserart, dem Wetter und dem Zustand der Fläche ab. Pflegefehler sind daher mögliche Risikofaktoren, nicht automatisch die alleinige Ursache.
Lange Blattnässe
Tau, anhaltender Regen, abendliches Wässern, Schatten und wenig Luftbewegung verlängern die Zeit, in der Halme nass bleiben. Das kann Infektionen fördern. Prüfe besonders Senken, windgeschützte Ecken und Bereiche unter Gehölzen.
Unpassende Nährstoffversorgung
Sowohl Unterversorgung als auch zu starke oder späte Stickstoffgaben können die Widerstandskraft beeinträchtigen. Welche Nährstoffe fehlen oder zu viel vorhanden sind, lässt sich aus einem Pilzbild nicht sicher ableiten. Wachstum, bisherige Düngung und bei wiederkehrenden Problemen eine Bodenanalyse liefern bessere Hinweise.
Filz, Verdichtung und Staunässe
Rasenfilz ist eine Schicht aus schwer abbaubaren Pflanzenresten zwischen Boden und grünen Halmen. Eine dichte Schicht kann Feuchtigkeit halten. Verdichteter Boden lässt Wasser und Luft schlechter in den Wurzelraum. Beides kann Krankheiten begünstigen. Entscheidend ist die Funktionsstörung – nicht eine starre Millimetergrenze.
Zu tiefer oder unsauberer Schnitt
Zu tiefer Schnitt schwächt die Gräser. Stumpfe Messer reißen die Blattspitzen aus. Die Wunden trocknen weißlich ein und können mit Blattkrankheiten verwechselt werden. Prüfe deshalb immer auch das Schnittbild.
Hitze, Trockenheit und schwacher Wuchs
Hitze und Wassermangel schwächen den Rasen. Tau kann die Blätter trotzdem über Stunden feucht halten. Dieses Zusammentreffen kann unter anderem Rasenrost oder Dollarflecken begünstigen. Es beweist aber keine bestimmte Krankheit.
Organische Reste im Boden
Alte Wurzeln, Holzreste oder andere organische Substanz dienen vielen Pilzen als Nahrung. Das erklärt einzelne Hutpilze oder kann Hexenringe fördern. Solange das Gras gesund bleibt, ist nicht automatisch eine Behandlung nötig.
Was du jetzt tun kannst
1. Erst beobachten, dann behandeln — [KERN]
Fotografiere die Stelle, markiere den Rand und prüfe Halme sowie Boden. Notiere Wetter, Bewässerung, Düngung und Schnitt. Beginne nicht gleichzeitig mit mehreren Maßnahmen. Sonst bleibt unklar, was geholfen oder geschadet hat.
Fachhilfe ist sinnvoll, wenn sich das Schadbild schnell ausbreitet, wiederkehrt, große Flächen absterben oder eine eindeutige Bestimmung für die weitere Behandlung nötig ist. Geeignete Anlaufstellen sind örtliche Gartenberatung, Pflanzenschutzdienst, Rasenfachbetrieb oder ein Labor.
2. Nässe verkürzen — [KERN]
Wässere nur, wenn der Wurzelraum trocken ist. Dann möglichst früh am Morgen und so, dass der Boden durchfeuchtet wird. Tägliche kurze Beregnung und abendliches Wässern halten die Blätter unnötig lange nass.
Eine feste Wassermenge passt nicht zu jedem Boden. Kontrolliere mit einer Spatenprobe, wie tief das Wasser angekommen ist. Beachte örtliche Bewässerungsregeln.
3. Schonend mähen — [KERN]
Mähe nur trockenen, tragfähigen Rasen. Kürze nie mehr als etwa ein Drittel der aktuellen Halmlänge. Für viele Gebrauchsrasen sind ungefähr 4–5 cm eine brauchbare Orientierung; Standort, Mischung und Nutzung können andere Höhen verlangen.
Halte das Messer scharf. Bei auffälligem Befall kannst du die betroffene Zone zuletzt mähen, Schnittgut vorübergehend auffangen und das Gerät danach von Pflanzenresten reinigen. Eine vollständige Sporenfreiheit lässt sich dadurch nicht erreichen.
4. Nährstoffe nur nach Gesamtbild korrigieren — [KERN]
Eine moderate Stickstoffgabe kann bei schwach wachsendem, erkennbar unterversorgtem Rasen die Regeneration unterstützen. Sie ist aber keine automatische Behandlung gegen Rotspitzigkeit oder Dollarflecken.
Dünge nicht auf trockene, hitzegestresste, gefrorene oder wassergesättigte Flächen. Beachte Produktangaben und lokale Regeln. Bei wiederkehrenden Schäden oder unklarer Versorgung ist eine Bodenanalyse verlässlicher als Düngen auf Verdacht.
Auch kaliumbetonter Herbstdünger ist keine Pflichtgabe. Nutze ihn nur, wenn Produkt, Zeitpunkt und tatsächlicher Bedarf passen.
5. Laub und dichten Filz nur bei Bedarf entfernen — [ergänzend]
Räume liegendes Laub ab. Prüfe die Filzschicht mit einer kleinen Profilprobe. Vertikutiere nur, wenn eine dichte Schicht Wasser, Luft oder Wachstum erkennbar behindert und der Rasen aktiv wächst. Bearbeite keine nasse, geschwächte oder hitzegestresste Fläche.
Vertikutieren bekämpft keinen Pilz direkt. Ein unnötig tiefer Eingriff kann zusätzliche Lücken schaffen.
6. Verdichteten Boden gezielt lüften — [ergänzend]
Bleibt Wasser stehen oder ist der Boden stark verdichtet, kann Aerifizieren helfen. Dabei werden Löcher in den Boden gestochen oder kleine Bodenkerne entnommen. Arbeite erst, wenn der Boden abgetrocknet und tragfähig ist.
Sanden ist nur sinnvoll, wenn Material, Körnung, Bodenart und Ziel zusammenpassen. Wiederholtes Aufbringen ungeeigneten Sands kann Schichten bilden und das Problem verschärfen. Bei dauerhafter Staunässe oder undurchlässigem Unterboden sollte ein Fachbetrieb den Aufbau prüfen.
7. Abgestorbene Lücken nachsäen — [ergänzend]
Säe erst nach, wenn die vermutete Ursache behoben ist und die Bedingungen zur Keimung passen.
- Entferne loses, abgestorbenes Material.
- Raue die Oberfläche leicht an.
- Verwende eine standortgerechte Regenerationsmischung, zum Beispiel RSM 3.2 oder eine gleichwertige Mischung.
- Drücke die Saat an, damit sie Kontakt zur feuchten Erde bekommt.
- Halte die oberste Bodenschicht bis zum Auflaufen gleichmäßig feucht.
Beachte Saatmenge und Pflegehinweise des Herstellers. Bodentemperatur, Mischung und Wetter bestimmen, wie schnell die Saat keimt.
8. Hexenringe vorsichtig angehen — [nur bei plausiblem Hexenring]
Sammle Fruchtkörper ab, wenn Kinder oder Haustiere Zugang haben. Prüfe, ob der Boden im Ring Wasser abweist. Wiederholtes, langsames Wässern kann die Benetzung verbessern. Mechanisches Lüften kann bei verdichtetem Boden unterstützen.
Tiefes Durchstechen, Netzmittel oder Bodenaustausch sind keine pauschalen Standardmaßnahmen. Sie hängen von Ringtyp, Boden und Ausmaß ab. Bei stark geschädigten, wiederkehrenden Ringen ist eine Beurteilung vor Ort sinnvoll.
9. Schleimpilze und harmlose Hutpilze in Ruhe lassen — [nur falls passend]
Bürste Schleimpilzbeläge ab oder spüle sie mit Wasser herunter. Einzelne Hutpilze kannst du absammeln. Verwende keine Hausmittel. Unbekannte Pilze nicht verzehren.
Wann du warten oder Fachhilfe holen solltest
Erst warten und beobachten:
- wenn nur einzelne Hutpilze erscheinen und das Gras gesund bleibt,
- wenn sich ein Schleimpilzbelag abwischen lässt,
- wenn eine kleine Stelle nach einer nassen Wetterphase nicht weiter wächst.
Fachhilfe holen:
- wenn sich die Flecken innerhalb weniger Tage deutlich ausbreiten,
- wenn große Bereiche nass-faulig riechen oder die Narbe abstirbt,
- wenn der Befall trotz angepasster Pflege wiederkehrt,
- wenn du Erreger, Nährstoffversorgung oder Bodenaufbau nicht eingrenzen kannst,
- bevor du ein Pflanzenschutzmittel, einen großflächigen Bodenaustausch oder eine Drainage erwägst.
Eine Probe aus frischen, noch nicht völlig abgestorbenen Halmen am Übergang zwischen gesund und krank ist für eine Untersuchung meist hilfreicher als Material aus der Mitte einer alten Schadstelle. Frage die gewählte Beratungsstelle vorher nach ihren Vorgaben.
Ähnliche Schäden ausschließen
| Mögliche Verwechslung | Praktischer Prüfweg |
|---|---|
| Trockenheit | Boden in 5–10 cm Tiefe prüfen. Trockene, strohige Halme ohne Belag oder Blattflecken sprechen eher für Trockenstress. |
| Düngerverbrennung | Das Muster folgt oft Streubahnen, Wendestellen oder Häufchen. Die Verfärbung beginnt nach einer Düngung. |
| Hundeurin | Einzelne runde Flecken können einen kräftig grünen Rand haben. Mehrere gleichartige Stellen liegen dort, wo Hunde Zugang haben. |
| Mähschaden | Ausgefranste, weißliche Schnittkanten sitzen gleichmäßig an den Halmspitzen. Klar begrenzte Flecken mitten auf dem Blatt fehlen. |
| Staunässe | Der Boden ist schmierig, Wasser bleibt stehen oder die Fläche riecht faulig. Ein typischer Pilzbelag muss nicht vorhanden sein. |
| Schädlinge | Die Grasnarbe lässt sich teilweise anheben; Wurzeln fehlen oder Larven sind im Boden sichtbar. |
Mehrere Ursachen können gleichzeitig auftreten. Ein verdichteter, nasser und zu tief gemähter Rasen kann zum Beispiel geschwächt sein und zusätzlich eine Pilzkrankheit entwickeln.
Passende Produkte – nur nach Befund
| Produktklasse | Wann sie helfen kann | Wichtige Grenze |
|---|---|---|
| Bodenanalyse oder pH-Test | Bei wiederkehrenden Schäden oder unklarer Nährstoffversorgung | Ein pH-Schnelltest ersetzt keine vollständige Nährstoffanalyse. |
| Rasen-Langzeitdünger | Bei plausibel festgestellter Unterversorgung und aktivem Wachstum | Kein Pilzmittel; nicht vorsorglich oder auf gestresstem Rasen einsetzen. |
| Kaliumbetonter Herbstdünger | Bei begründetem Bedarf vor der kalten Jahreszeit | Keine automatische Pflichtgabe und keine direkte Pilzbehandlung. |
| Vertikutierer | Wenn dichter Filz die Funktion der Narbe stört | Nicht gegen jeden Belag einsetzen; falsche Tiefe schädigt den Rasen. |
| Aerifiziergerät oder -gabel | Bei nachgewiesener Verdichtung und schlechter Wasserführung | Löst keinen undurchlässigen Unterboden und keine ungeklärte Staunässe. |
| Geeigneter Rasensand | Als Teil einer fachlich passenden Bodenverbesserung | Körnung und Bodenart müssen zusammenpassen. |
| Nachsaatmischung | Für abgestorbene Lücken nach Beseitigung der Ursache | Keimung und Eignung hängen von Standort, Mischung und Wetter ab. |
| Bewässerungsuhr und Regenmesser | Um frühmorgendliches Wässern und die tatsächliche Menge zu kontrollieren | Bewässerung trotzdem an Bodenfeuchte, Regen und örtliche Regeln anpassen. |
| Netzmittel oder Bodenbenetzungsmittel | Eventuell bei wasserabweisenden Zonen eines bestätigten Hexenrings | Nur nach Produktangabe und möglichst nach fachlicher Einordnung verwenden. |
Eisen(II)-sulfat, Bodenaktivatoren und Mikroorganismen-Präparate haben keine automatisch zugelassene oder belegte Fungizidwirkung. Verwende sie nicht als Ersatz für Diagnose und Ursachenprüfung. Eisenhaltige Produkte können Stein und Kleidung dauerhaft verfärben.
Vorbeugung ohne starren Kalender
- Wässere nach Bodenfeuchte, möglichst morgens und nicht täglich oberflächlich.
- Mähe mit scharfem Messer und passe die Höhe an Standort, Rasentyp und Wetter an.
- Entferne Laub und vermeide lange liegende, nasse Auflagen.
- Dünge nach Wachstum, Nutzung und Bodenversorgung – nicht allein nach Monatsplan.
- Prüfe Filz und Verdichtung, bevor du vertikutierst oder aerifizierst.
- Betrete nasse, gefrorene oder schneebedeckte Flächen möglichst wenig.
- Wähle bei Nachsaat eine standortgerechte Qualitätsmischung; eine Mischung nach passender RSM-Rezeptur kann dabei eine Orientierung sein. „RSM“ ist kein allgemeines Prüfsiegel für beliebige Handelsmischungen.
- Reduziere, soweit möglich, dauerhaft feuchte Schattenlagen und stehende Luft.
- Dokumentiere wiederkehrende Stellen. Verlauf und Wetter helfen mehr als ein einzelnes Foto.
Häufige Fehler
- Aus einem Foto oder der Fleckengröße eine sichere Pilzart ableiten.
- Rotspitzigkeit oder Dollarflecken automatisch als Stickstoffmangel behandeln.
- Mehrere Maßnahmen gleichzeitig beginnen und den Effekt nicht mehr zuordnen können.
- Abends oder täglich nur kurz wässern.
- Nassen oder geschwächten Rasen tief vertikutieren.
- Auf Verdacht düngen, kalken oder Eisen ausbringen.
- Einzelne Hutpilze oder Schleimpilze mit Essig, Salz oder anderen Hausmitteln bekämpfen.
- Produktwerbung mit einer aktuellen Pflanzenschutzmittel-Zulassung verwechseln.
- Ein früher zugelassenes Mittel verwenden, ohne Zulassung und Aufbrauchfrist aktuell zu prüfen.
Rechtliches (DACH)
- Deutschland: Im Haus- und Kleingarten dürfen nichtberufliche Anwender nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die für sie und für die konkrete Anwendung zugelassen sind. Entscheidend sind Kultur, Schadorganismus, Anwendungsgebiet, Kennzeichnung und Anwendungsbestimmungen. Eine allgemeine Aussage wie „gegen Pilze“ reicht nicht.
- Aktuellen Stand prüfen: Zulassungen, Widerrufe und Aufbrauchfristen können sich ändern. Prüfe deshalb unmittelbar vor Kauf und Anwendung das Verzeichnis des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Verlasse dich nicht allein auf Shoptexte oder alte Packungen.
- Keine pauschale Fungizidempfehlung: Für typische Rasenkrankheiten im Haus- und Kleingarten ist die Auswahl für nichtberufliche Anwender stark eingeschränkt. Ob zum jeweiligen Zeitpunkt überhaupt ein passendes Mittel zugelassen ist, muss die aktuelle amtliche Abfrage zeigen.
- Hausmittel: Essig, Salz oder Mischungen daraus sind keine sichere oder zulässige Pilzbehandlung. Sie können Rasen, Boden und angrenzende Flächen schädigen.
- Falls ein Mittel zugelassen ist: Halte Etikett, Dosierung, Anwendungszeitpunkt, Schutzabstände und alle Auflagen exakt ein. „Mehr“ wirkt nicht besser und kann Pflanzen, Menschen, Tiere und Umwelt gefährden.
- Österreich und Schweiz: Dort gelten eigene Zulassungsverzeichnisse. Prüfe für Österreich die Angaben der AGES und für die Schweiz das Pflanzenschutzmittelverzeichnis des Bundes. Eine deutsche Zulassung gilt nicht automatisch in einem anderen Land.
Quellen
- Hochschule Weihenstephan-Triesdorf – Hexenringe im Rasen (Merkblatt)
- Hortipendium – Hexenringe
- Hortipendium – Dollarflecken-Krankheit
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein – Pflanzenschutz im Rasen (PDF)
- Deutsche Rasengesellschaft – Dollarfleckenkrankheit (Sclerotinia homoeocarpa, heute Clarireedia)
- Deutsche Rasengesellschaft – Regel-Saatgut-Mischungen Rasen (RSM)
- Cuxin DCM – Dollar Spot / Rotspitzigkeit / Schneeschimmel erkennen und bekämpfen
- Golfmanager/Greenkeeper – Rost (Puccinia spec.)
- Eurogreen – Rotspitzigkeit und Schneeschimmel im Rasen
- AustroGreen (AT) – Rasenkrankheiten
- Wikipedia – Rotspitzigkeit (Laetisaria fuciformis)
- BVL – Pflanzenschutzmittel für Haus und Kleingarten
- BVL – Widerrufene und ruhende Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln
- LfL Bayern – Unkrautbekämpfung mit Essig/Salz nicht erlaubt
- Compo Ratgeber – Rasenkrankheiten (Schneeschimmel, Rotspitzigkeit)
Der Gründoktor stellt dir ein paar kurze Fragen und sagt dir, welches Problem du hast und was zu tun ist – kostenlos, ohne Anmeldung.
🌱 Rasen-Check starten